Mit einem festen Bürotag hätte ich deutlich weniger Probleme, wenn das Team denselben Tag nimmt.
Dann kann man Workshops, schwierige Abstimmungen und Mittagessen bewusst darauf legen. Präsenz ergibt für mich mehr Sinn, wenn tatsächlich jemand da ist, mit dem man präsent sein soll.
Wenn ein Team auf Hamburg, Köln und München verteilt ist, löst ein Bürotag das Entfernungsproblem nicht.
Dann sitzen drei Menschen in drei verschiedenen Büros und treffen sich weiterhin in Teams. Es sind nur drei Arbeitswege dazugekommen.
Unternehmenskultur entsteht vermutlich nicht dadurch, dass möglichst viele Zugangskarten am selben Tag benutzt werden.
Wenn alle morgens ankommen, acht Stunden in ihren Kalendern verschwinden und danach wieder nach Hause fahren, war das zwar Präsenz. Besonders viel Gemeinschaft muss dabei trotzdem nicht passiert sein.
Wenn ich einen Job mit zwei Bürotagen annehme, beeinflusst das auch, wie weit entfernt ich bereit bin zu wohnen.
Aus zwei Tagen später fünf zu machen ist deshalb mehr als eine kleine interne Regeländerung.
Der Arbeitsplatz bleibt derselbe. Mein Wohnort ist nur leider nicht genauso schnell verschiebbar.
Der interessanteste Büroeffekt passiert manchmal gar nicht im eigenen Team.
Man trifft jemanden aus einer anderen Abteilung in der Küche, hört nebenbei von einem Projekt oder lernt einen Menschen kennen, mit dem sonst nie ein Meeting geplant worden wäre.
Solche Zufälle sind ein echtes Argument fürs Büro. Sie entstehen nur nicht automatisch dadurch, dass möglichst viele Zugangskarten benutzt werden.
Wer morgens um acht am Schreibtisch sitzt, ist sichtbar.
Ob dabei die wichtigen Aufgaben erledigt werden, ist eine andere Frage.
Wenn Anwesenheit zur einfachsten Leistungskennzahl wird, besteht zumindest die Gefahr, dass das leicht Messbare wichtiger aussieht als das eigentlich Relevante.
Ein Job mit einem Bürotag pro Monat kann für jemanden 150 Kilometer entfernt noch realistisch sein.
Vier Tage pro Woche eher nicht.
Mehr Präsenz verändert deshalb nicht nur den Alltag bestehender Mitarbeiter, sondern auch die Frage, aus welchem geografischen Radius sich Menschen überhaupt sinnvoll bewerben können.
Montag: halbleeres Büro.
Dienstag: alle da, keine Meetingräume.
Mittwoch: alle da, Kantine voll.
Freitag: wieder Platz ohne Ende.
Eine Präsenzregel kann erstaunlich effizient genau die Tage erzeugen, an denen das Büro am schlechtesten funktioniert.
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